Die Urania Weltzeituhr

Im Zuge der Neugestaltung des Alexanderplatzes anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der DDR entwickelte der Formgestalter Prof. Erich John Ende 1968 die Urania Weltzeituhr. Unter seiner Leitung wurde sie innerhalb nur weniger Monate gemeinsam mit 124 freiwilligen Arbeitern in sogenannten Feierabendbrigaden gebaut und am 30. September 1969 auf dem Berliner Alexanderplatz durch den Oberbürgermeister von Ost-Berlin, Herbert Fechner, eingeweiht.

Auf ihrer Rotunde sind heute die Namen von 146 Städten aus allen Kontinenten und Zeitzonen sowie die Datumsgrenze zu sehen. Anhand des sich drehenden Ziffernkreises in der Mitte der Uhr ist die aktuelle Ortszeit bzw. Weltzeit in allen Zeitzonen gleichzeitig ablesbar. Über allem dreht sich das Planetensystem, das durch den Lauf der Planeten die Grundlagen unserer Zeitmessung symbolisiert.

Bereits mit ihren ursprünglich 80 Städtenamen aus allen 24 Zeitzonen führte die Weltzeituhr den Bürgern der DDR tagtäglich vor Augen, wie weitläufig die Welt jenseits der DDR-Grenzen ist. Schon damals erkannte ihr Designer Prof. Erich John die Symbolkraft für Freiheit im starken Kontrast zur 1961 errichteten Berliner Mauer: „Viele spürten seit dem Mauerbau die Enge der Stadt, die Anmutung von Weltoffenheit und Weltweite war durch eine Weltzeituhr offensichtlich ein berührender Gedanke.“

Bis heute ist die Weltzeituhr am Alex generationsübergreifend beliebter Treffpunkt für Berliner und Gäste aus der ganzen Welt gleichermaßen. Im Umfeld der Uhr versammelten sich nicht nur anlässlich der X. Weltjugendspiele im Sommer 1973 Studenten aus der ganzen Welt, sondern am 7. Oktober 1989 auch tausende Oppositionelle, die mit den berühmten Worten „Wir sind das Volk“ in Richtung Palast der Republik aufbrachen, wo die Staatsführung gerade den 40. Jahrestag der DDR feierlich beging. Nur 33 Tage später kam es zur Öffnung der Grenzen und damit zum Fall der Berliner Mauer.

Seit 2015 steht die Berliner Weltzeituhr aufgrund ihrer künstlerisch, städtebaulich und geschichtlich überragenden Bedeutung unter Denkmalschutz.

Seit November 2018 ist die Weltzeituhr erstmals in ihrer Geschichte als zeitgeschichtliches Wahrzeichen und einzigartige Designikone – rechtzeitig zum 50. Jubiläum – als Sammlerstück und Souvenir erhältlich.

Professor Erich John

Am 6. Februar 1932 wird Erich John im nordböhmischen Dorf Kartitz geboren, wo seine Eltern einen landwirtschaftlichen Hof führen, bis die Familie 1945 enteignet und vertrieben wird. Nach einer Lehre als Bauschlosser im brandenburgischen Neukloster beginnt der begabte Zeichner mit 18 Jahren ein Studium der Kunstschmiede- und Metallgestaltung in Wismar und Heiligendamm. Sein anschließendes Studium der Formgestaltung – vergleichbar mit dem heutigen Industrie- und Produktdesign – schließt er 1958 an der renommierten Kunsthochschule in Berlin-Weißensee ab, wo er ab 1965 als Dozent und von 1973 bis 1992 als Professor selbst Generationen von Designern ausbildet. 1982 wird er für ein Semester als Gastprofessor für „Industrial Design“ an die Ohio State University (USA) berufen und erhält den Designpreis der DDR.

Erich Johns Werke gelten auch heute noch in Funktionalität und Gestaltung als unübertroffen. Während seiner mehrfach preisgekrönten Karriere entwickelt John unzählige Produkte, die als Alltagsgegenstände über Jahrzehnte in der DDR, aber auch im sogenannten „westlichen Ausland“, wie in der BRD und Skandinavien, gebräuchlich sind. Aus seiner Feder stammen u.a. die „Erika“-Schreibmaschine, das „Undine II“-Radio, Staubsauger und Rasierapparate, aber auch Mikroskope für den Biologieunterricht und das „Galileische Besteck“ – eine modulare Fernglasbrille.

Gestaltung bedeutet für John die „Optimierung des Lebensraumes“. Sein wohl berühmtestes Werk prägt seit 1969 als einzigartiges Wahrzeichen das Zentrum Berlins: die Urania Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz. Damit ist es ihm gelungen, die Zukunft des Stadtbildes nachhaltig mitzugestalten.