Die Urania Weltzeituhr

Die Urania Weltzeituhr wurde anlässlich des 20jährigen Jubiläums der DDR innerhalb nur weniger Monate vom Formgestalter Prof. Erich John entwickelt und am 30. September 1969 auf dem Berliner Alexanderplatz im Herzen der Stadt feierlich eingeweiht. Auf ihrer Rotunde sind die Namen von 144 Städten und Regionen aller Kontinenten eingraviert, deren aktuelle Ortszeit man anhand des sich drehenden Ziffernkreises in der Mitte der Uhr ablesen kann. Über allem dreht sich das Planetensystem, das die Grundlagen der Zeitmessung anhand des Laufs der Planeten symbolisiert.
Wie heute auch, war die Uhr in der damaligen DDR ein beliebter Treffpunkt. Mit ihren 24 Zeitzonen aus aller Welt zeigte sie den Bürgern der DDR jedoch wie weitläufig die Welt ist. Ein Symbol der Freiheit im Kontrast zur Mauer. Schon ihr Schöpfer Prof. Erich John erkannte das: „Viele spürten seit dem Mauerbau die Enge der Stadt, die Anmutung von Weltoffenheit und Weltweite war durch eine Weltzeituhr offensichtlich ein berührender Gedanke.“ In ihrem Umfeld versammelten sich dann am 40. Jahrestag der DDR, den 7. Oktober 1989, viele Oppositionelle die mit den berühmten Worten „Wir sind das Volk“ in Richtung Palast der Republik aufbrachen. Nur 33 Tage später fiel die Berliner Mauer. Seit 2015 steht die Weltzeituhr auf dem „Alex“ unter Denkmalschutz.

Professor Erich John

Der deutsche Formgestalter Erich John wurde am 6. Februar 1932 in Kartitz geboren. Seine Werke gelten auch heute noch in Funktionalität und Gestaltung als unübertroffen. Seiner Feder entspringen die „Erika“-Schreibmaschine, eine Vielzahl Mikroskope für den Biologieunterricht oder auch das galiläische Besteck (eine Art Fernglasbrille). Gestaltung bedeutet für ihn die „Optimierung des Lebensraumes“. Das wohl berühmtestes Werk seiner geistigen Schöpfung schmückt das Zentrum des Berliner Alexanderplatzes: die Urania Weltzeituhr.

Nach der Lehre als Bauschlosser in Neukloster absolviert Erich John sein Studium der Formgestaltung in Wismar, Heiligendamm und Berlin: ein Studiengang vergangener Tage geprägt in der DDR. Heutzutage wird der Studiengang eher mit neudeutschen Wörtern aufgegriffen wie z. B. Design oder Creative Industries. „Gestalte die Zukunft“ ist eine häufig verwendete Beschreibung der Studiengänge. Interessant wie sich selbst einzelne Begriffe und Wörter mit der Zeit wandeln. Auch wenn die Begrifflichkeit damals noch eine andere war, so hat Erich John 1969 mit dem Entwurf der Weltzeituhr eines wirklich geschafft – er hat die Zukunft des Stadtbilds mitgestaltet.